Sie waren nicht nur Beherbergungsstätte für Durchreisende, sondern auch Seuchenstationen. Unter den Fremden und Zugereisten befanden sich oft solche mit ansteckenden Krankheiten. Diese mussten von der Außenwelt isoliert werden, um einer Ansteckungsgefahr zu begegnen.
Aus diesem Grunde wurden zum Bau eines Hospitales Vorschriften erlassen, die unbedingt einzuhalten waren:
Ein Hospital hatte außerhalb der Stadtmauer zu liegen,
In der Nähe mußte eine Kapelle vorhanden, besser aber noch sollten Kapelle und Hospital gleich miteinander verbunden sein,
Ein fließendes Gewässer hatte daran vorbeizugehen.
Grund und Boden wurden hauptsächlich vom Landesherrn gestiftet. Die Mittel zum Bau aber stammten überwiegend aus "Almosengeldern“. Zur Unterhaltung dienten Schenkungen von Bürgern und Adel der Stadt oder Umgebung. Auch eigenes Land, das gegen Zins verpachtet war, trug mit zu den laufenden Kosten bei. Die Kirche und der Rat der Stadt eines Ortes verwalteten gemeinsam das Hospital.
Im Laufe der Jahrhunderte ergab es sich, dass immer häufiger Gebrechliche nicht mehr entlassen werden konnten, ohne Gefahr zu laufen, elend umzukommen, da niemand sich um sie gekümmert hätte. So entstand aus der Seuchenstation eine Dauerbeherbergungsstätte für Sieche und Alte. Da, wo heute noch ein Hospital besteht, ist es meistens auch als Altersheim, also Dauerbeherbergungsstätte, eingerichtet. Viele alte Städte, durch die einmal die alten Salzstraßen (Handelswege) führten, haben auch heute noch ihr Hospital. Wenigen aber ist der reine Baucharakter erhalten geblieben. Zu diesen gehört das St. Georg-Hospital in Delitzsch mit dem Altbau, der heute altersgerechte Wohnungen beherbergt, und der Hospitalkirche.
Das „St. Georg-Hospital“
Am 8.5.1391 schenkte Markgraf Wilhelm von Meißen eine "Hofstätte zur Stiftung und Aufbauung des neuen Hospitales mit vier Hufen auf dem Sande". Diese Hofstätte lag vor dem Halleschen Tor der Stadt Delitzsch. Mit dem Bau begann man im Jahre 1392. Das Hospital "St. Spiritus" und die Kapelle "St. Fabian und St. Sebastian" wurden "notdürftig" errichtet. Sie wurden nicht sonderlich unterhalten und verfielen im Laufe der Zeit immer mehr. Aber erst nach dem Großfeuer vom 10.7.1661 wurde das Haus durch Zimmermeister Christoph Rudolph, aus dem Ort Gräfenhainichen aus Mauerwerk neu ausgeführt.
Die Kirche, die schon in den Jahren 1516 bis 1518 aus Steinen erbaut worden war, hatte bei dem Brand keinen Schaden erlitten. Das Haus liegt in Ost-West-Richtung in der Halleschen Straße und trägt heute die Hausnummer 44.
1849 wurde der Betsaal renoviert und 1854/53 erfolgte ein Umbau des gesamten Gebäudes, um die Aufnahmefähigkeit zu erhöhen. Im selben Jahre erfolgte auch der Bau der Kleinkinder-Bewahranstalt. Die Einweihung fand am 3.9.1855 statt. Bei der Kleinkinder-Bewahranstalt handelte es sich um einen Anbau an das Hauptgebäude in Nord-Süd-Richtung. Sie musste im Jahre 1941 auf Anordnung des Naziregimes geschlossen werden.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde sie noch einmal für kurze Zeit in Betrieb genommen, um dann für immer geschlossen zu werden, da die Räumlichkeiten in keiner Weise den Anforderungen der Zeit entsprachen. Auch stieß das Zusammenleben zwischen Alt und Jung auf immer größere Schwierigkeiten.
1906 erfuhr das Gebäude dann noch einmal einen Umbau, um Platz für weitere 10 Personen zu schaffen. Von 1992 bis 1994 wurde auf dem Grundstück des „St. Georg-Hospitals“ in der Halleschen Straße 44 in Delitzsch ein modernes Pflegeheim neu errichtet, das über 34 Einzel- und 15 Doppelzimmer verfügt. In dem Neubau befinden sich außerdem sieben altersgerecht ausgestattete Wohnungen.
Die Hospitalkirche liegt außerhalb der ehemaligen Stadtbefestigung, dicht an dem Halleschen Turm, an der alten Salzstraße, die von Halle über Delitzsch gen Osten führte. Es gab vor
der 1516 erbauten Kirche bereits eine Hospitalkapelle mit dem Namen St. Fabian und St. Sebastian", die wohl entweder nicht mehr zureichte, oder baufällig geworden war. Deshalb begann
man am 15. August 1516, Maria Himmelfahrt, mit der Grundsteinlegung.
In einem Strebepfeiler von Westen her an der Südseite des Gebäudes befindet sich folgende Inschrift:
Ano + dni+ 1+5 + 1+6 + suntage
nach + marie + Scheidung +
ist + dieser + Bau + stein+ geleget
Die Kirche ist ein schlichter, einschiffiger Bau und verfügt über einen kleinen Turm. Lediglich ein kleiner, schiefergedeckter achteckiger Dachreiter für die Glocke erhebt sich über
dem Dachfirst. Im 1. Weltkrieg musste die Glocke abgeliefert werden, jetzt hängt dort eine größere aus Gusseisen.
Durch das Portal an der Südwand, welches in Sandstein ausgeführt ist und spätgotische Profile zeigt, betritt man das Kircheninnere.
Ein anderer Eingang führt direkt vom Hospital aus in das kleine Gotteshaus und zwar von Westen her.
Wertvolle Glasfenster von Carl Crodel (1894-1973) angefertigt, wurden wegen Vandalismus wieder ausgebaut und durch schlichte Rechteckverglasung 1967 ersetzt. Seit November 2022 sind 13 der insgesamt 14 verloren geglaubten Crodel-Fenster zurück in der Hospitalkirche. In extra angefertigten Leuchtkästen zeigen die aufwändig restaurierten Crodel-Fenster den Leidensweg Christi.
Die ersten 2 Fotos stammen aus unserer eigenen Bilddatenbank. Die anderen 6 Fotos wurden von Frau Verena und Herrn Albrecht Rost zur Verfügung gestellt.